Diplomarbeit SS 1984

Lehrstuhl Städtebau: Professor Jürgen Pahl & Professor Jens-Peter Volkamer

Eröffnungsfilm der Duisburger Filmtage 1987

Buch: Gerhard Schörken, Kamera: Walter Korth, Schnitt: Edda Sievers

Der Film ist zu sehen unter:

http://www.youtube.com/watch?v=oS4mIHqWx-M

Vorführung des Films mit Podiumsdiskussion am 14.2.1989 im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg.

Teilnehmer u.a.: Planungsdezernent Giersch, Prof. Pahl, Architekt Miksch, ...

 

Kaiserbergprojekt

Entwurf zur Errichtung eines Mahn-, Denkmals, Aussichtspunktes auf dem Kaiserberg in Duisburg.

Projekt-Anlass............................................................................     
Historische Situation.................................................................     
Die politische Funktion des Denkmals.................................
Das Projekt.................................................................................   
Anlagen.......................................................................................

Projekt Anlass

Wie an vielen Orten ist es auch am Kaiserberg interessant dem nachzugehen, was die Geschichte des Ortes ist, woher z.B. der Name Kaiserberg kommt, wie er mit welchem Ziele gestaltet war, wie und ob er heute im Stadtbild ein Rolle spielt und ob die eingekehrte Ruhe für den Zusammenhang des städtischen Raumes nicht unter funktionalen, wohl aber unter künstlerisch-, inhaltlichen Gesichtspunkten neu zu definieren ist. Umgeben von intensiv befahrenen Eisenbahnstrecken, dem Autobahnkreuz Duisburg, der Mülheimer Straße ist der Berg zum Stadtteil Duissern, dem er auch postalisch und verwaltungstechnisch zugeordnet ist wieder zu öffnen. Bei dem hier anstehenden Thema ist auch die junge Bewegung der „Landmarken-Kunst“  im Ruhrgebiet, räumlich definiert durch die IBA Emscherpark (1989 – 1999) nicht außer Acht zu lassen. Und in einer in diesem Zusammenhang entstandenen Publikation wird der Projekt Prozess, auch für die Kaiserberg Maßnahme treffend be-schrieben, auch wenn in diesem Text inhaltlich über Industriedenkmäler gesprochen wird: „Sie (Kunst) gründet im Gegensatz zur Denkmalpflege, weder auf der Erfassung und Erforschung noch auf dem bestmöglichen Erhalt der Monumente. Sie beginnt gerade da, wo alte Strukturen und Relikte neue visuelle-, emotionale Zusammenhänge suchen; ein Eingriff, der Spurensicherung und poetischen Archivierung mit neuen Nutzungen und Erlebnissen verknüpft. Eine kreative Form von Denkmalschutz, in der Zitate ... ebenso ihren Platz finden wie die Neuformulierung und Inszenierung von Vorhandenem und Verschüttetem.“  Ebendies soll mit dem Kaiserberg Projekt bewirkt werden: freilegen der historischen Zusammenhänge und  zusammensetzen in einen neuen inhaltlichen- und zeitlichen Kontext.
Historische Situation

„Der Kaiserberg – ursprünglich hieß er Duissernscher Berg, zum Kaiserberg wurde er am 22.Februar 1881, der zehnjährigen Wiederkehr des Reichsgründungstages-, der Kaiserberg also, ..., ist nicht nur eine der höchsten Erhebungen der Stadt, er ist seit 1850 Duisburg`s gute Stube. Sie attraktiv zu gestalten wurde bereits 1843 ein Verschönerungsverein ins Leben gerufen. Als 1875, einem dringenden hygienischen Bedürfnis folgend, das städtische Wasserwerk in der Nähe der Aackerfähre in Betrieb genommen wurde, fand der dazugehörige Wasserturm auf der feinen Höhe des Kaiserberges seinen Platz. Der Wasserturm war seitdem das Wahrzeichen des Berges. Er wurde im Frühjahr des Jahres 1945 ... zerstört, neben ihn trat, der Stadt zugewandt, seit 1898  das Reiterstandbild Kaiser-Wilhelm-I. Es wurde am ersten September 1898- zehn Jahre nach seinem Tode ... - enthüllt, flankiert von zwei im Krieg 1870/71 erbeuteten französischen Kanonen. Vor ihm ergoss sich am Hang des Kaiserberges eine imposante Kaskadenanlage. Beide stammten von Prof. Reusch, Königsberg. Das Reiterstandbild wurde 1942 dem Materialbedarf des Krieges geopfert, das Fundament nach dem Krieg beseitigt, die Kaskadenanlage stillgelegt.“  Auch die Namensgebung der Straßen, die hin zum Denkmal führ(t)en wurden in Sinnzusammenhang gestellt: durch Duissern führt die Hohenzollernstraße. Die Denkmalstraße führt hin zur Kaskade und zum so inszenierten Reiterstandbild Kaiser-Wilhelm-I .
Das Reiterstandbild  sollte die Person Kaiser-Wilhelm-I ehren, seine nach damaliger Geschichtsauffassung militärischen Verdienste. Es war nach Süd-Westen ausgerichtet, der Kaiser reitete symbolisch gegen Frankreich. Anders wird die Aufstellrichtung schon 1897 bei der Einweihung des Kaiser-Wilhem-I.-Denkmals von Emil Hundtrieser in Koblenz (Deutsches Eck) gewählt. „Der Kaiser zu Pferd reitet nicht gen Westen, das Monument zeigt ihn gerade aus Westen kommend, er reitet heim, ein Friedensengel führt ihm das Ross.“  Es war aber auch als Sinnbild für preußische Tugenden: „Pflicht- und Verantwortungsgefühl, uner-schütterlicher Gottesglaube, Festigkeit im Entschluss ...“  gedacht. Die Analyse des Reiterstandbildes an sich führt im hier thematisiertem Zusammenhang nicht unbedingt weiter, dennoch sollte angemerkt werden, dass „jede Ross-Reiter-Darstellung ... Zeugnis einer Unterwerfung der Körperkraft des Pferdes in seiner Triebhaftigkeit durch den menschlichen Verstand“  ist, und ersetzt man Ross durch Volk und Reiter durch Kaiser feiern die Bewunderer des Kaiserreiches und seiner Embleme das Abbild der eigenen Beherrschung. In die Zeit der Aufstellung zahlreicher Reiterdenkmale Kaiser-Wilhelm-I. (u.a. Kaiserpfalz Goslar neben einem gleichrangigen Reiterdenkmal Kaiser-Friedrich-Barbarossa`s) fällt auch der Bau der „Bismarck- und Wilhelmtürme“. Kaiser und Kanzler fanden gestaltete Versachlichung in diesen Turmgebäuden, die u.a. als Telegrafenstationen benutzt wurden (z.B. Kahlenberg in Mülheim/Ruhr). Das Aufstellen von Reiterstandbildern und Nationaldenkmälern hatte zur Jahrhundertwende Konjunktur (Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, Kyffhäuser Denkmal, Kaiserdenkmal Porta Westfalica, Bavaria München, Siegessäule Berlin, ...), die Beschwörung der militärisch geprägten Dynastie sind letzte symbolische Versuche eine mündige Nation zu unterdrücken. „Jedes Nationaldenkmal, ob es die grünspanüberwachsenen Reitergestalten auf der Eisenbahnbrücke unterhalb des Kölner Domes waren, ob die mit aktualisierenden Bezügen restaurierte Goslarer Kaiserpfalz, oder die den Geist des ordensmäßigen Rittertums zitierende, mit antipolnischen Aggressionen unterlegte Rekonstruktion der Marienburg am Nogatufer, ob Niederwalddenkmal oder alldeutsche Bismarcktürme- die Nationaldenkmäler standen schief zur Wirklichkeit. ... Das Zeitalter der Bilder war abgelöst durch das Zeitalter der Verträge, und der wichtigste unter diesen Verträgen war die Verfassung.“  Mit den beiden weiteren nach dem ersten Weltkrieg auf dem Kaiserberg untergebrachten militärisch-, nationalen Gedenkstätten (Ehrenmal für die Gefallen des ersten Weltkrieges und der Soldatenfriedhof für Soldaten
des ersten Weltkrieges) etablierte sich der Kaiserberg als deutsch-nationale Lustwandelstätte.


Die politische Funktion des Denkmals

Zunächst ist der Begriff des Denkmals zu definieren: „Darunter wird allgemein ein in der Öffentlichkeit errichtetes und für die Dauer bestimmtes Kunstwerk verstanden, das an Personen oder Ereignisse erinnern soll, dem also schon bei seiner Entstehung die Funktion zugedacht ist zu erinnern. Zwar hat jedes Kunstwerk Erinnerungswerte, schon indem es seine eigene Entstehung und damit oft einen bemerkenswerten Denk- und Arbeitsprozess bezeugt. Dem Denkmal geben seine Urheber aber absichtlich Erinnerungsfunktion. Dies sprechen oft die Inschriften aus, teils in Widmungsformeln wie `den Gefallenen zum Gedächnis` am Kreuzberg Denkmal in Berlin (das 1818 bis 1821 unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel zur Erinnerung an die Befreiungskriege errichtet wurde), teils als Nachruf; `der Dank ließ ihre Heldennamen nicht verhallen...` ...Solche Bezugnahme auf ein historisches Geschehen unterscheidet das Denkmal von der dekorativen Plastik, die vielfach in seiner Nachbarschaft auftritt, beispielsweise Tiere darstellt, Begriffe personifiziert (Die Nacht) oder mythische Gestalten vergegenwärtigt (Amazone). Die Bezugnahme auf vergangene Ereignisse wird nicht selten dadurch unterstützt, daß echte Beute- und Erinnerungsstücke zum Bestandteil größerer Arrangements gemacht werden. Vor allem alte Kanonen begegnen nicht nur frei aufgestellt, sondern sie flankieren oder durchsetzten viele Denkmäler, lieferten auch das Material für Siegesdenkmäler, ...“  Es ist vorwegzugreifen auf den Themenkreis „Landmarkenkunst“, der im weiteren Textverlauf thematisiert wird. Unter künstlerischen Gesichtspunkten reicht es vielleicht aus, eine Skulptur, Landmarke, o.ä. an einem (besonderen) Ort aufzustellen, diesen als Kunstgegenstand wegen seiner besonderen Figuration, bislang in der Kunstgeschichte noch nicht dagewesenen, oder aber andere Kunstwerke zitierenden Formensprache und Farbgebung, oder wegen seiner puritanischen Materialechtheit zu bewundern. Dieser rein ästhetische Zugang ist für den Ort „Kaiserberg“ zu wenig, und man mag der Landmarkenbewegung auch vorwerfen,  dass sie auch wegen der Rezeption für etwas gehalten wird, was sie eigentlich nicht sind. Die Landmarken werden in Zeiten da alles analog und digital vermessen ist als „Leuchttürme des Festlandes“ nicht mehr benötigt. Daher könnte man sagen, daß die Landmarken „einfach nur Skulpturen sind“ und sie mutieren, indem man ihnen mehr Inhalt einflössen will als vorhanden zu „säkularisierten Fetischen“.
Für das hier anstehende Projekt ist die tragende Idee also nicht alleine die der Ästhetik sonder auch die des Denkmals. D.h., daß begehbare Objekt soll an die Vergangenheit erinnern; das Kaiserreich, den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Katastrophe des zweiten Welt-krieges, die zwei deutschen Staaten, den Kommunismus, den Kapitalismus, der Konjunktur und Krise, dem Kalten Krieg und wieder einen (deutschen) Krieg. Der Kaiserberg hat seine militärische Kontinuität durch die erneuten Kriegseinsätze mit dem neuen Objekt (Mahnmal) wieder, nur soll der Krieg nicht verherrlicht werden sonder zum kritischen Nachdenken auffordern. Ein Denkmal als Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Bei der Begehung, der Besteigung des Aussicht K`s (s.Grafik) liegt vor einem die Stadt vor dem aufgezeigten zeitlichen Hintergrund von 1898 – 2002. Und auch das Bewusstsein auf historisch aufgeladenem Boden zu stehen trägt bei zur Authentizität des Ortes und des Projektes. Es gibt nicht viele aktuelle Denkmalprojekte in Deutschland, das bekannteste ist das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, das sogenannte Holocaust Mahnmal in Berlin. Die zahlreichen Diskussionen die sich mit der neueren deutschen Geschichte befassen (Wehrmachtsausstellung, Goldhagen Debatte, die Frage der Verwicklung der Banken und Großunternehmen in die NS Vernichtungspraktiken, ...) schärfen auch hier die Wahrnehmung: „Akzeptieren wir die beunruhigende politische Verantwortung, die den später Geborenen aus dem von Deutschen verübten, unterstützten und geduldeten Zivilisationsbruch erwächst, als Element einer gebrochenen nationalen Identität?“


Das Projekt

Es handelt sich also nicht um Stadtmöblierung, sondern darum Geschichte freizulegen und ohne die Geschichte des Ortes zu überdecken eine Neuinterpretation zu liefern, einen neuen Zusammenhang zur Stadt und zur Geschichte herzustellen. Auf der Fläche, auf der einst das Reiterstandbild fixiert war soll eine neue, begehbare Plastik (Denkmal) entstehen. Diese Plastik wird neben der Neuinterpretation des Ortes auch eine neue Aneignung der Stadtsilhouette ermöglichen. Der 1898 als Aussichtspunkt konzipierte „Balkon“ kann als Aussichtspunkt nicht mehr genutzt werden, weil die Bäume zu groß geworden sind, und die Sicht blockieren. Diese Aussichtsfunktion ist auch ein zentrales Anliegen. Die Plastik soll in Form eines ca. dreißig Meter hohen „K“ gestaltet werden. Die Baumaterialien sollen Beton, Ziegelstein, Naturstein und Stahl sein. Durch die Materialsprache soll ein lokaler Bezug hergestellt werden: Ziegelstein weil an verschiedenen Stellen des Kaiserberges Ziegeleien bis zur Jahrhundertwende des 19.- zum 20. Jahrhunderts existierten, außerdem weil Ziegelstein in der Stadtarchitektur und dem Industriebau eine Rolle spielte, Stahl, weil natürlich Duisburg`s Geschichte eng mit dem Stahl verbunden ist. Beton als Konstruktives- und Gestaltungsmaterial. Teile der Konstruktion sollen in Naturstein, ggbf. in Trockenbauweise ausgeführt werden. Da die Kaskadenanlage vermutlich aus einem Naturstein aus Duisburg oder Mülheim (Steinbruch Rauen/ Prinzenhöhe) gefertigt wurde, sollte ein solcher Stein wieder-verwendet werden. Ohnehin könnte die Kaskadenanlage ein Bestandteil der Re- Inszenierung des Standortes Kaiserberg sein. Das K als Großform steht als Initiale für:

                K-aiserberg
                K-aiser-Wilhelm- I. / II.
                K-ommunismus
                K-rieg  (-sopfer)
                K-apitalismus
                K-onjunktur
                K-alter Krieg
                K-unst
                K-ultur
               
Das K als Symbol für die politischen Änderungen an einem besonderen Ort. Mit dieser Arbeit stellt man sich in die Tradition der Großplastiken zum Beispiel die von Claes Oldenburg. Obwohl, wie schon deutlich wurde, dass Zitieren und das „sich in die Tradition von etwas stellen“ an sich kein künstlerischer Wert ist, versuche ich das K Projekt doch einzuordnen: und diese gestalterische Verwandtschaft ist am ehesten zu sehen bei Arbeiten der russischen Avandgardisten und Konstruktivisten (El Lissitzky, Vladimir Tatlin, ...), aktuell im Ingenieurbau vielleicht bei Schlaich und Partner (Killesberg Turm in Stuttgart) oder um aktuelle deutsche Künstler Beeinflussungen zu nennen bei Hannsjörg Voth (Himmelstreppe , Marokko) . Ein verwandtes Projekt ist für Moers konzi-piert . Der Künstler Otto Piene schlägt ein ca. fünfundzwanzig Meter hohes Grubenlicht als Landmarke vor, ein sehr gegenständlicher Vorschlag.
Die Probleme einer Projektrealisierung sind absehbar: wer wird Träger der Maßnahme sein, wird die Stadt Duisburg das Grundstück zur Verfügung stellen, eine entstehende Opposition ist zu überzeugen, wie wird finanziert, wer übernimmt den Unterhalt, kann „mein“ Projekt umgesetzt werden, oder wird der Ruf nach einem Wettbewerb laut, Fragen der Realisierung oder des Unterhaltes wie z.B. wer streut bei Glatteis, wie sieht die Unfallversicherung aus? Muss die Treppenanlage nach den Vorgaben der Landesbauordnung NW hinsichtlich der Anordnung von Podesten zugrundegelegt werden? Fragen über Fragen: „... bereits die Idee eines Aussichtspunktes auf einem Aussichtspunkt schien einfach vermessen, die Finanzierung unbezahlbar, die Kritik rechnete in Kindergartenbauten gegen, die konstruktiven- und statischen Berechnungen schienen die Naturgesetze sprengen zu wollen“.  Hier werden die Probleme bei der Realisierung des „Tetraeder“ in Bottrop beschrieben. Ein weiteres Hindernis könnte sein, dass nicht das Projekt an sich beurteilt wird, sonder zur Etablierung des Standortes große Namen gesucht werden um diese im Stadtmarketing zu benutzen. Hier gibt es auf lokaler Ebene Beispiele. Dieses Schielen auf „große Namen“ wird auch bei der Landmarken Kunst deutlich, es werden in der Literatur nicht nur die Projekte besprochen, also eine werkimmanente Annäherung versucht, vielmehr wird mit den Künstlernamen kokettiert, wenn z.B. immer wieder die „bedeutenden Künstler wie Richard Serra, Dani Karavan, ...“  Erwähnung finden. Ein weiter Kritikpunkt an der „Landmarken-Bewegung“, und davon soll sich das Kaiserberg Projekt unterscheiden, ist, (ein Kunstwollen im Land gibt es auch in anderen Zusammenhängen: earthworks, landart, Orte der Erinnerung, ...) daß der Ort an dem die Landmarke platziert wird, eine Aufwertung erfährt, jedoch der Blick wegen dessen man sich der Mühe unterzieht einen Berg, eine Halde einen Aussichtspunkt zu erreichen, oft von trauriger Mittelmäßigkeit ist. Doch gerade der Blick bedarf einer Inszenierung oder doch zumindest das Objekt wegen dessen man sich zu einem Ort bemüht. Den Blick als städtebauliches Motiv (s.a. Plan Hausman in Paris, den Blick auf eine inszenierte Ruinenlandschaft s.a. Sansoussi, Potsdam) kann man auch bei einem Kaiserberg-Objekt inszenieren. Die Wichtigkeit zum einen des Anblickes der Plastik/Denkmal jedoch zum anderen auch der Aussicht wird in folgendem Textauszug von Martin Warnke deutlich gemacht: „Hatte Klenze die der Walhalla benachbarte Burgruine von Donaustauf noch als Sinnbild des überwundenen Feudalismus gesehen, so sind dann die bayrischen Ludwigsschlösser auf den Genuss der Landschaft, zur An- und Aussicht hingebaute Burgen, von denen aus alte Landesordnungen nacherlebt werden konnten. Von dieser harmoniebedürftigen Einstellung des Blicks vom Berggipfel über das Land hin ist die Kette der Bismarck- und Wilhelmstürme geleitete, und die wandernden- oder jugendbewegten Heimat- und Naturfreunde haben sich in der Folgezeit an solchen Zielen orientiert.“  Die Plastik soll, wie schon beschrieben, an der Stelle errichtet werden, an der das Kaiser-Wilhelm-I. Denkmal stand. Hierzu ist eine Umgestaltung des Platzes notwendig. Das Oval als Grundform bleibt erhalten, jedoch wird die Rasenfläche die sich zurzeit eingesäumt von einem ovalen Gehweg dort befindet, aufgenommen, stattdessen werden im Halbkreis Bäume gepflanzt die einen Kiesplatz umsäumen. Es wird ein großzügiger Platz entstehen. Vermutlich sind einige Bäume zu stutzen oder zu fällen. Die Kaskade ist wieder freizulegen, und nach Möglichkeit wieder in Betrieb zu nehmen. Weitere Gesichtspunkte wie die Beleuchtung, die Nachtwirkung, etc, sind bei einer Konkretisierung des Projektes einzuarbeiten.

Landesprogramm "Kultur und Schule"

Architektur als außerunterrichtliches Bildungsangebot

 

a. Vom Bunker zum Baumhaus  
b. Bewegungsparcour Schulhof
c. Fahrradunterstand

 

http://www.aknw.de/fileadmin/user_upload/Publikationen-Broschueren/aknw-geschaeftsbericht_2014_final.pdf

Pegel Projekt

Das Ruhrgebiet, das Land an Rhein und Ruhr, das Rheinland, der Niederrhein;
Rhein und Ruhr geben der Landschaft, der Region und auch den Menschen Namen: der Ruhrpott, der Ruhrpöttler, der Niederrheiner, der
Rheinländer. Der Rhein ziert das nordrhein-westfälische Wappen als Symbol für das Rheinland. Die Institution, die die Interessen der einzelnen Städte der urbanen Agglomeration Ruhrgebiet nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs harmonisieren sollte war der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, später der Kommunalverband Ruhrgebiet. Wasser als Grundvoraussetzung menschlicher Siedlung, Flüsse schließlich als Verkehrswege sind grundlegende Voraussetzung des Entstehens von Kultur, mit der Wiege im Zweistromland  Mesopotamiens. Um Zivilisation verlässlich zu entwickeln wurde der Transfer von Natur zu Kultur generiert, Naturlandschaft wird Kulturlandschaft, und in diesem Transformations-prozess ist auch der Umgang mit dem Wasser, den Flüssen, den Bächen einzubetten. Kulturelle Entwicklungen, ich möchte den Begriff Fortschritt bewusst nicht benutzen, beschleunigen die technischen Veränderungen. Die Wasserkraft trieb im Bergischen Land die Schmiedehämmer an, in den waldreichen Gebieten die Wasser- Sägemühlen. Die Ruhr wird als Transportweg genutzt, zunächst mit Treidelkähnen, schließlich mit Motorbooten. Da die Ruhr alleine nicht ausreicht, die Kurven und Radien des Flusses für große Einheiten und Schubverbände nicht schiffbar sind, um den Transportaufwand der Industrieregion zu bewältigen, werden Kanäle gebaut, der Rhein-Herne-Kanal, der Lippe Seitenkanal.
Im Ruhrgebiet werden natürliche Flüsse zu offenen Kloaken umgewandelt, um Haus und Industrieabwässer abzuleiten, wie die Escher.
Und hier, symbolisch beim  Wasser, setzte die IBA Emscherpark an; es ging in den 90ger Jahren des letzten Jahrhunderts um die Renaturierung z.B. der Emscher, aber auch um den Umgang mit verlassenen Industriestandorten schlechthin.
Das Ruhrgebiet, die Ruhrstadt, das Gebiet der Kulturhauptstadt 2010, das Projekt nennen Sie Ruhr.2010, ist nach meiner Auffassung ohne eine Thematisierung der Wasserstraßen Rhein und Ruhr nicht darstellbar. Und hier muss eine dingliche Komponente gefunden werden an der thematisiert werden kann: der geografische- und inhaltliche Zusammenhang von Rhein und Ruhr in seiner Bedeutung für das Gebiet Ruhr.2010. Und in diesem Zusammenhang auch der technische Aufwand der notwendig ist, um die Wasserstraßen zu betreiben,
vom Wasser und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich mit seiner Zweigstelle in Datteln wird die Befahrbarkeit der Wasserstraßen im Ruhrgebiet sichergestellt, von hier aus werden Kanäle mit Frischwasser versorgt, bei zu hohen Wasserständen Wehre geöffnet und die Wassermengen umgeleitet, etc.

 

Dieser Gewässerkartenausschnitt macht deutlich, wie viele Fließgewässer im Gebiet Ruhr.2010 vorhanden sind. Rhein und Ruhr sind deutlich erkennbar.

 

Für den Nutzer der Wasserstraßen ist die Wasserstandsmeldung wichtig. Bis zum  Paradigmenwechsel von der analogen zur digitalen  Datenverarbeitung, und damit verbunden der Satelliten Navigation, waren z.B. die Pegel für den Nutzer der Wasserstraßen, die Binnenschiffer, von grundlegender Wichtigkeit, z.B. im Zusammenhang mit der Frage: mit welcher Last kann ich meine Schiff beladen, welcher Tiefgang ist möglich? Hierzu dienten die Pegel(-uhren). Der Rhein hat Pegel mit Pegelgebäuden in Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort, Wesel, Rees und Emmerich. Pegel gibt es an der Ruhr zwischen Olsberg und Hagen 28^1 an der Zahl . Um den Text in gebotener Kürze zu komprimieren will ich im Anschluss exemplarisch für die anderen Standorte von baulich deutlich sichtbaren Pegeln den Rhein als natürliche westliche Begrenzung des Gebietes Ruhr.2010 thematisieren. Es ist ein  gestalterische Antwort zu finden für alle Standorte, z.B. Stelen, die technische, historische und geografische Gesichtspunkte nicht nur in Wort und Bild thematisieren, sonder durchaus auch künstlerisch und architektonisch. So habe ich mir z.B. für den Kölner Pegel überlegt, dass das Gebäude über dem Pegelschacht transparent neu aufgebaut wird, um den Vorgang der
Wasserstandmessung den Passanten und Interessierten transparent zu machen. Der Pegel in Duisburg-Ruhrort sollte ebenfalls umgestaltet werden: Es gibt in diesem größten Binnenhafen Europas kaum Möglichkeit, direkt am Wasser einzukehren und z.B. als Besucher der Ruhrstadt, Kaffee trinkend dem Treiben auf dem Wasser zuzusehen, sich auszuruhen, sich und ggbf. seine Kinder zu interessieren und sich zu stärken. Das Pegelgebäude als Treffpunkt, auch für die Radfahrer und die technisch Interessierten, eine Kooperation mit dem Schifffahrtmuseum, um den Gastraum mit spannenden Exponaten zu bereichern. Von hier aus ist die Ruhrmündung mit dem Kunstwerk „R(h)einorange“ zu sehen, und  eine virtuelle Verbindung zwischen Ruhrmündung und Hafenmund (Pegelgebäude) herzustellen, denkbar in Form eines Lichtbogens. Rhein und Ruhr sind an dieser Stelle deutlich sichtbare Lebensadern für das Ruhrgebiet. Wenn man die natürliche Bedeutung dieser Flüsse vergleicht, kann man dies z.B. an der Durchflussmenge von Wasser in einer Sekunde beleuchten: die Ruhr transportiert an der Mündung in den Rhein ca. 80 m³ pro Sekunde, der Rhein an gleicher Stelle im gleichen Zeitraum ca. 2900 m³, ein Verhältnis von 1:36.
Ruhr 2010 wird durch dieses Projekt in eine natürliche Dynamik einbezogen, ein Energiefluss, Natur, Kultur und Technik geben sich die Hand.

Ein Projektlogo könnte dies sein:

 

 

Alte Duisburger Pegelsäule am Vinckekanal. Im Hintergrund sieht man auf die linke Niederrheinseite, hier Blick auf Homberg.

 

Das Duisburg-Ruhrorter Pegelgebäude heute

 

Blick auf das Duisburg-Ruhrorter Pegelgebäude von der Friedrich-Ebert-Brücke.

 

Ruhrverlauf in östliche Richtung gesehen vom Ruhrstauwehr Duisburg

 


[1] Landesamt für Wasser und Abfall Nordrhein-Westfalen: Pegel in Nordrheinwestfalen, Verzeichnis mit Karte

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